Glaubensgemeinschaften

Bedeutungen

Den Glauben mit anderen Menschen zu teilen, kann ein Stück Lebensqualität bedeuten.
Glaubensgemeinschaften können durch ihre Traditionen vielen Menschen ein Stück Geborgenheit bieten.

Gerne teile ich nachfolgend meine Erfahrungen zu diesem Thema.

Dieses Kapitel ist wie vieles im Leben auch für mich noch nicht abgeschlossen.

Kurz gesagt: Überall, wo Menschen miteinander unterwegs sind, gibt es zwei Seiten. Eine Positive und auch eine Negative. (die Grenzen sind durchlässig)
Es kann auch mal sein, dass streckenweise die negative Seite zu überwiegen scheint.
Trotzdem möchte ich die Gemeinschaft mit Mitchristen nicht missen.

Glaubensgemeinschaften

Hineingeboren
Wie jeder Mensch auf dieser Erde, habe ich mir meine Wiege nicht selbst ausgesucht. So wenig ich mir die Wiege aussuchen konnte, konnte ich mir auch den Glauben und die Kirche (Glaubensgemeinschaft) meiner Familie aussuchen.
So war es zuerst einmal ZUFALL, welchen Glauben und welche Glaubensgemeinschaft mich in der Kindheit prägten.

Einerseits sehe ich es heute als grosses Privileg, dass in unserer Familie der Glaube eine wichtige Rolle spielte. Diese Seite gewichte ich höher, als die Negativseite.

Andererseits sehe ich heute den Glauben, der damals in unserer Familie gelebt wurde, auch als einengend.

In meiner Kindheit und Jugend lebte ich wie in zwei verschiedenen Welten. 1. in meiner Familien - und Gemeindewelt (Pfingstkirchlich geprägt) - und andererseits in meiner Alltagswelt. (Bauernhof, Schule, Arbeit)

Im Jugendalter wendete ich mich äusserlich vom Glauben meiner Herkunfstfamilie ab. Ich wollte endlich sein wie der grosse Durchnitt meiner Kameraden auch. Ausgehen, Feste feiern, Rockkonzerte besuchen usw.
Nach etwa 4 - 5 Jahren mit diesem Lebensstil hatte ich aber genug davon. Ich fühlte mich leer, hatte Minderwertigkeitsgefühle und sogar Panikattaken. Ich kehrte zum Glauben meiner Familie zurück und schloss mich wieder meiner "alten" Glaubensgemeinschaft an.

Pfingstgemeinde
Es folgte eine intensive Zeit. In der Jugendgruppe der Kirche lernte ich meine Frau kennen. Wir heirateten und bekamen 3 wunderbare Kinder geschenkt. Ich engagierte mich in der Kirche in verschiedensten Bereichen. Sonntagschule, Musik, Pressearbeit und noch einiges mehr. Diese Tätigkeiten füllten nebst dem Familien- und Arbeitsalltag mein Leben aus. In dieser Zeit war ich überzeugt davon, dass ich durch meine christlichen Aktivitäten und der radikalen Hinwendung zu Gott, ganz klar zum Reich Gottes gehörte. In unserer Kirche wurde klar unterschieden zwischen: Reich Gottes und Welt. Ich wollte innerhalb des Reich Gottes , Gott und den Menschen dienen. Weltliche Arbeit und Geld waren Mittel zum Zweck. Es brauchte nur soviel davon, um leben zu können.
Als unsere Glaubensgemeinschaft beschlossen hatte, ein neues Gemeindezentrum zu bauen, nutzte ich die Gelegenheit, nach meiner damaligen Auffassung, ganz für das Reich Gottes zu arbeiten. Ich bewarb mich als Hauswart und Allrounder des neuen Gemeindezentrums. Zu meiner Freude bekam ich diese Stelle. Ich war stolz darauf. Nun war ich also auch "vollamtlich" für das Reich Gottes unterwegs.
Leider bekam dann die Glaubensgemeinschaft wegen zu teurem Bauen und übertriebenen Luxusanschaffungen finanzielle Probleme. Es gab Streit unter den Mitgliedern und die Gemeinschaft brach letztendlich auseinander. Es war eine turbulente Zeit. Ich elebte wie Machtspiele gespielt wurden und mit unehrlichen Mitteln agiert wurde. Meine Enttäuschung über den Leiter und Visionär unserer Gemeinschaft war enorm gross. Ich konnte auch nicht verstehen, dass so viele Leute das System des Machtmissbrauchs noch deckten. Ein Stück meiner Lebens- und Glaubenswelt brach zusammen.
Trotzdem hielt ich am persönlichen Glauben an Gott fest. Die grossen Enttäuschungen, die ich zusammen mit anderen "Mitkämpfern" erlebt hatte, konnten meinen starken Glauben an Gott nicht zerstören. Aber meine Frau und ich zogen die Konsequenzen und verliessen diese Glaubensgemeinschaft, welche uns doch viele Jahre auch ein Stück Heimat war. Wir haben dort viel Gutes erlebt. Aber zu diesem Zeitpunkt wollten wir nur noch raus.

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich heute eine gute Beziehung zu meinen "ehemaligen Glaubensgeschwistern" in der FCGT (Pfingstkirche) habe, die ich seinerzeit verlassen habe. Ich konnte mich im Verlaufe der Jahre mit der Vergangenheit versöhnen und den Menschen, die mich verletzten - und auch mir selbst - vergeben. Ich freue mich heute an der Glaubensgemeinschaft, die sich im Verlaufe der Jahre neu entwickelt und etabliert hat. Im Rahmen der Evangelischen Allianz ist meine heutige Kirche, der ich nun seit über 30 Jahren angehöre, mit ihr verbunden. Nach wie vor fühle ich mich mit den Mitgliedern der FCG (Freien Christengemeinde Toggenburg) verbunden. Wir haben als Kirchen viele gemeinsame Nenner.

Heilsarmee
Nach dem Austritt aus der Pfingstgemeinde schlossen wir uns für zwei Jahre der Heilsarmee an. Geprägt vom Denken und Handeln unserer Herkunftsgemeinde, nahmen wir in der Heilsarmee, kaum waren wir dort, diverse Aufgaben wahr. So gingen wir mit auf die Strasse und in Heime, um zu singen. Wir halfen mit bei Gottesdienstgestaltungen, Kinderlagern, Kinderclub und vielem mehr. Anfänglich fühlten wir uns sehr wohl und geborgen in dieser Gemeinschaft. Die vielen Aktivitäten lenkten uns ab von den Enttäuschungen, die wir in der Pfingstgemeinde unserer Herkunft erlebt hatten. Doch bald wurde uns alles zu viel. Die Erwartungen, welche von uns selbst, aber auch von Mitchristen ausgingen, konnten wir nicht erfüllen. Wir beschlossen, auch diese Glaubensgemeinschaft wieder zu verlassen. Dieser Entscheid löste bei unseren Mitchristen der Heilsarmee verständlicherweise Schmerzen aus, nachdem sie uns doch so liebevoll aufgenommen haben. Uns tat dieser erneute Gemeinschaftswechsel auch leid. Doch wir waren sicher, dass dies der richtige Schritt ist.

Chrischona-Gemeinde/Viva Kirche
In unserem Dorf gab es seit Jahrzehnten eine Chrischona-Gemeinde. (Pietistisch geprägte Glaubensgemeinschaft) Mit dieser Glaubensgemeinschaft und einzelnen Mitgliedern davon, hatten wir schon Kontakt, als wir noch zu der Pfingstgemeinde gehörten. Auch in unserer Heilsarmee-Zeit fanden im Rahmen der Evangelischen Allianz unserer Region, mit der Chrischona-Gemeinde Kontakte statt. Wir besuchten nun die Gottesdienste in der Chrischona-Gemeinde in unserem Dorf. Nach ca. 1 Jahr wurden wir Vereinsmitglieder. Mehr und mehr übernahmen wir verschiedene Aufgaben und Dienste in dieser Gemeinde. Wir gehören auch heute immer noch dazu. Mittlerweile heisst unsere Glaubensgemeinschaft Viva Kirche. (es fand ein Namenswechsel statt)




Glaubens-Entwicklung

Der Begriff «Glaubens-Entwicklung» hat es mir angetan.
Die Erkenntnis, dass alles auf dieser Welt einem Weg - einem Wachstum - einem Prozess, unterworfen ist, muss an dieser Stelle nicht speziell erklärt werden. Man kann es überall beobachten. In der Schöpfung, der Technik, der Medizin, der Menschheitsgeschichte usw.
Erkenntnisse in allen Bereichen entwickeln sich und bleiben nicht stehen. Wenn man auf einem bestimmten Gebiet wieder einen Schritt weiterkommt, freut man sich.
Man findet manchmal sogar überholte Erkenntnisse lustig und amüsiert sich darüber. Zum Beispiel, dass man einmal annahm, dass die Erde flach und nicht rund sei.
Auch gewisse vergangene Modetrends und moralische Ansichten, können uns erheitern.

Es ist mir bewusst, dass mein derzeitiger Wissensstand und meine persönliche Entwicklung nicht das "Ende aller Erkenntnis" ist.
Bestimmt nicht.

In diesem Sinne sehe ich meine persönliche Glaubens-Entwicklung. Es ist schön, sie zu erleben. Aber schlussendlich ist jeder Mensch, so gut er sich auch entwickelt hat – vergänglich.
Trotzdem möchte ich meine persönliche Glaubens-Entwicklung nicht vermissen. Sie hat mir geholfen ein hoffnungsvoller Mensch zu werden.

So bin ich vom "Sektenbuben" zu einem "Hoffnungsmensch" geworden.